Foto: Agathe Bunz, 1958 Gemälde: Selbstbildnis, 1929, Hamburger Kunsthalle

Biographie





EDUARD BARGHEER

* 25. Dezember 1901 Hamburg-Finkenwerder
† 1. Juli 1979 Hamburg-Blankenese

 




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Geboren 1901 auf der Elbinsel Finkenwärder bei Hamburg. 1923 Abschluss des Lehrer-Examens. Kurze Zeit Schüler bei Friedrich Ahlers-Hestermann, im wesentlichen Autodidakt. 1925 privates Stipendium für eine Italien-Reise. 1926 und 1927 Reisen nach Paris, 1928 nach Holland, Belgien und Italien. Seit 1928 Mitglied der Hamburgischen Sezession, die sich 1933 selbst auflöst. 1932/33 mit einem Arbeitsstipendium der Stadt Hamburg mehrere Monate in Paris. 1934 bis 1940 Dozentur an der Kunstschule Gerda Koppel. 1934 in London, 1935 erstmals auf Ischia und in Bern erstes Zusammentreffen mit Paul Klee, 1936 Besuch in dessen Atelier. 1936 Reise nach Dänemark, ab 1937 jährliche Reisen nach Ischia, wo er im April 1940 seinen Wohnsitz nimmt. Arbeitsaufenthalte in Florenz, 1942 bis 1944 als ziviler Dolmetscher bei der deutsch-italienischen Kriegsmarine-Werft in La Spezia. 1944 Untertauchen in Florenz, dort Erlebnis der Zerstörung der Arno-Brücken, der Befreiung der Stadt und des Kriegsendes. Ab 1947 wieder in Forio d'Ischia, wo er 1948 die Ehrenbürgerschaft erhält. Ab 1953 im Halbjahreswechsel in Forio und Hamburg-Blankenese. 1955 und 1959 Teilnehmer an der I. und II. documenta. 1957 Gastdozent an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. 1958 Professor an der Accademia Tiberina in Rom. 1962/63 Professur an der Hochschule der Künste in Berlin. Zwischen 1960 und 1968 zahlreiche Reisen nach Nord- und Zentral-Afrika. 1976 Gründung einer Stiftung zur Förderung junger Künstler. 1979 stirbt Eduard Bargheer in seinem Haus in Hamburg-Blankenese.

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1901, am 25. Dezember, wird Eduard Bargheer auf der Elbinsel Finkenwärder als Sohn eines Schulleiters geboren. Kindheit und Jugend sind geprägt von der stark erlebten Natur der Marsch und der Elbe, von der Segelei, der Musikausübung und der Gesellschaft der Fischer und Obstbauern des Heimatorts. Früher Verlust der Eltern .Freundschaft mit dem Kunstkritiker, Publizisten und Maler Harry Reuss-Löwenstein in Finkenwärder. 1924/25 Entschluss, freier Künstler zu werden, nachdem er eine Lehrerausbildung abgeschlossen hat. Korrektur bei Friedrich Ahlers-Hestermann und Paul Kayser an der Kunstschule Gerda Koppel. 1925 erste Reise nach Florenz, ermöglicht durch einen privaten Sammler. Bargheer entdeckt für sich die Kunst der Frührenaissance, wird vor allem vom Werk Piero della Francescas angezogen. Freundschaft mit dem Schauspieler Friedrich Siems, der ihn in die Welt der Bühne einführt (spätere Freundschaften mit Gustav Gründgens, Will Quadflieg u. Maria Becker.). 1926 erster Ankauf eines Gemäldes durch die Hamburger Kunsthalle. 1926/27 erste Paris-Aufenthalte. 1928 erster Wandbildauftrag durch den Oberbaudirektor Fritz Schumacher. 1928/30 Reisen nach Belgien, Holland, England, Frankreich und Italien mit der Malerin Gretchen Wohlwill, mit der ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden wird. Bau eines Ateliers am Westerdeich in Finkenwärder. 1929 Mitglied der Hamburgischen Sezession. Freundschaftlicher Kontakt mit den Kunsthistorikern Aby Warburg, Erwin Panofsky und deren Kreis.1930/31 längerer Aufenthalt in Italien. 1932/33 Stipendium der Stadt Hamburg für einen mehrmonatigen Paris-Aufenthalt, dort Freundschaft mit dem Panofsky-Schüler Ludwig H. Heydenreich. 1933 Selbstauflösung der Hamburgischen Sezession, um der Forderung nach Ausschluss der jüdischen Mitglieder nicht folgen zu müssen. 1934 Anmietung eines Ateliers am Jungfernstieg in Hamburg. Bargheer begleitet anlässlich eines England-Aufenthalts das Ehepaar Panofsky ans Schiff in Southampton, mit dem diese in die U.S.A. auswandern. 1935 während eines Skiurlaubs im Berner Oberland erstes Zusammentreffen mit Paul Klee. In diesem Jahr auf Anraten seines Freundes, des Fotografen Herbert List, erster Besuch auf der Insel Ischia, die ihm später zur zweiten Heimat wird. Erwerb einer alten Fischerkate am Elbhang in Blankenese. Einzelausstellung in der Galerie Nierendorf in Berlin. Die National-galerie kauft hier zwei Aquarelle an. Beeinflusst durch den späten Gruppenstil der Hamburgischen Sezession und Munch findet Bargheer zu seiner unverwechselbaren Bildsprache der dreißiger Jahre. Die Motive werden zunehmend zu Metaphern für seine negative Einstellung zur NS-Zeit. 1936 Reise mit Gretchen Wohlwill nach Dänemark, Beteiligung an der Künstlerbund-Ausstellung „Deutsche Kunst im Olympia-Jahr“, die von den Nazis nach wenigen Tagen geschlossen wird. Erneute Italien-Reise. Auf der Rückfahrt Besuch bei Paul Klee in dessen Atelier in Bern. Der Dramatiker Samuel Beckett besucht Bargheer im Hamburger Atelier. Wandbild-Auftrag für die Siedlungsschule in Hamburg-Langenhorn. 1937 erneuter Ischia-Aufenthalt. Freundschaft mit dem Maler Werner Gilles. 1939/40 Einzelausstellung in der Hamburger Galerie Commeter: Die Ölbilder müssen abgehängt und die Einladungskarten zurückgezogen werden. Übersiedlung nach Florenz und Ischia. Freundschaft mit dem Leiter des Deutschen Kunsthistorischen Instituts in Florenz, Friedrich Kriegbaum, der ihm mit dem Auftrag, Rekonstruktionszeichnungen der Medici-Gräber von Michelangelo zu fertigen, die Ausreise aus Deutschland ermöglicht. Freundschaft mit dem Maler Rudolf Levy, der sich zunächst auf Ischia, ab 40 in Florenz aufhält. 1942-1944 Anstellung als Dolmetscher bei einer Kriegsmarine-Werft in La Spezia. 1944 Untertauchen in Florenz mit Hilfe des Kardinals Elia dalla Costa, nach alliierter Einnahme von Florenz sofortige Aufenthaltsgenehmigung. 1945: Klaus Mann, im Dienst der US-Armee, besucht Bargheer zusammen mit dem Sergeanten Friedmann im Atelier in der Pensione Bandini. Friedmann wird zum ersten Käufer eines Bargheer-Bildes nach dem Krieg. Illustration des Pinocchio für den Sansoni-Verlag. 1947 Übersiedlung nach Forio d’Ischia, aber weiterhin häufige Aufenthalte in Florenz. Dort oft Gast bei Bernard Berenson auf dessen Landsitz „I Tatti“. Erster Deutschland-Besuch nach Kriegsende. 1948 wird Eduard Bargheer Ehrenbürger von Forio, das sich kurzzeitig zu einem internationalen Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen entwickelt. Auch der befreundete Schriftsteller Wystan H. Auden lässt sich vorübergehend in Forio nieder. Teilnahme an der Biennale von Venedig. Beeindruckt vor allem von Picasso und Klee. Unter dem Eindruck der Landschaft Ischias und des mediterranen Lichts richtet sich sein Augenmerk jetzt verstärkt auf die Strukturgesetze einer visuell wahrnehmbaren Wirklichkeit, die in chiffrenartig abstrahierten Bildern thematisiert werden. 1950 reguläre italienische Staatsbürgerschaft unter Beibehaltung der deutschen. 1952 Wiedereinzug in das Haus in Hamburg-Blankenese, das solange durch Einquartierungen blockiert war. Verbringt ab jetzt die Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonate auf Ischia, den Winter in Blankenese. Auf Ischia regelmäßige freundschaftliche Treffen mit Hans Purrmann und Werner Gilles. 1953 Große Bargheer-Retrospektive in der Kestner-Gesellschaft in Hannover. 1954 Werner Heldt besucht Gilles und Bargheer auf Ischia und verstirbt in S. Angelo.1955 Teilnahme an der documenta I in Kassel. 1956 Erster Nachkriegsauftrag für Kunst am Bau, dem mehrere folgen. 1957 Gastdozent an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. 1958 Mitglied der Accademia Tiberina in Rom, Bau des ersten eigenen Hauses in Forio. 1959 Teilnahme an der documenta II. 1960-1968 zahlreiche Afrika-Reisen (Tunesien, Marokko, Ägypten, Mali und Senegal), die zu einer umfangreichen künstlerischen Auseinandersetzung führen. 1963-1965 Professur an der Hochschule der Künste in Berlin. 1965 Ausstellungstournee durch die damalige DDR (Dresden, Leipzig, Halle). 1967/68 Bau eines neuen Hauses in Forio. 1976 Gründung der Eduard Bargheer-Stiftung zur Förderung junger Künstler. Am 1. Juli 1979 stirbt Eduard Bargheer in seinem Haus in Hamburg-Blankenese. (15.7.04)


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1901 wird Eduard Bargheer auf der Elbinsel Finkenwerder bei Hamburg geboren. Nach einer abgeschlossenen Lehrerausbildung 1924 Schüler von F.Ahlers-Hestermann und P.Kayser an der Kunstschule Gerda Koppel.
1925 erste Studienreise nach Florenz.
1926/27 Paris-Aufenthalt.
1927 erste Einzelausstellung in Hamburg.
1928

Reisen nach Belgien, Holland und Italien.
Bau eines eigenen Ateliers am Neßdeich auf Finkenwärder.

1929 Reise nach England. Mitglied der Hamburgischen Sezession.
1930 Sylt-Reise.
1930/31 erneute Italienreise. Aufenthalt in Paris. Lehrer an der Kunstschule Koppel.
1932/33 Stipendium der Stadt Hamburg für einen längeren Paris-Aufenthalt.
1935 Erwerb einer Fischerkate am Süllberg in Hamburg-Blankenese. Anmietung eines Ateliers an Hamburgs Jungfernstieg. Reisen nach England und Italien, Aufenthalt in Rom und zum ersten Mal auf Ischia. Erstes Zusammentreffen mit Paul Klee in Bern.
1936 Reisen näch Dänemark und Ischia, wo er Werner Gilles kennenlernt. Besuch bei Paul Klee in Bern. Teilnahme an der Ausstellung des Hamburger Kunstvereins "Kunst im Olympia Jahr".
1937/38 abwechselnde Aufenthalte auf Ischia, in Florenz und Hamburg.
1939 Übersiedelung nach Italien (Florenz, Ischia), Freundschaft mit Rudolf Levy.
1942 Einzelausstellung in Florenz.
1942-44 Dolmetscher bei der Kriegsmarine in La Spezia.
1944 Beauftragter für den Kunstschutz in Florenz. Zerstörung des Hamburger Ateliers.
Ab 1947 ständiger Aufenthalt in Forio d'Ischia wo er 1948 Ehrenbürger wird.
Ab 1950 regelmäßige Treffen mit Werner Gilles und Hans Purrmann auf Ischia. Bargheer lebt ab 1953 wieder abwechselnd in Forio d'Ischia und Hamburg-Blankenese. Nimmt an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil.
1955 und 1959 Teilnehmer an der I. und II.documenta.
1957 Gastprofessor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. In den sechziger Jahren mehrere Reisen nach Nord- und Zentralafrika.
1963 Professor an der Hochschule der Künste in Berlin.
1970 Reise nach Griechenland. In den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren Entstehung von Arbeiten im öffentlichen Raum und von Grafik-Mappenwerken.
1976 Gründung der Eduard Bargheer Stiftung zur Förderung junger bildender Künstler.
1979 stirbt Eduard Bargheer in seinem Haus in Blankenese. Seine Häuser in Forio d'Ischia und Blankenese werden seitdem für Ausstellungen genutzt und beherbergen das Archiv.


Finkenwärder, um 1920

Florenz, 1944

Forio, 1947

Forio, um 1950

Forio, 1950er jahre

Forio, 1951

Mit Will Quadflieg (l.), Forio, um 1960

Mit Purrmann (l.) u. Gilles (m.), Forio, 1955

Forio, 1958

Forio, Anfang 1960er Jahre

Forio, Ende 1960er Jahre

Auf Reisen, 1960er Jahre

Fotos: Archiv des Künstlers, Copyright bei den Fotografen